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Nach Niklas – Welche Versicherung zahlt bei Sturmschäden?

Die meisten kennen ihre Namen: Katrina oder Irene, Lothar, Kyrill oder jüngst Niklas. Namen, die bei vielen Menschen und wohl am meisten bei den Betroffenen auch Jahre später noch ein ungutes Gefühl auslösen. Die Rede ist von heftigen Stürmen, die große Schäden anrichteten. Dabei sind Unwetter ein Naturphänomen, mit dem man zu praktisch jeder Jahreszeit rechnen muss. Der Sturm muss nicht einmal besonders heftig sein, um Zerstörungspotential zu haben und Schäden am materiellen Besitz zu hinterlassen. Schon deshalb sollte sich jeder rechtzeitig mit der Frage beschäftigen: Wie gehe ich mit Sturmschäden um und wer kommt für sie auf?

Keine Rundum-Versicherung

Ein Unwetter kann die verschiedensten Schäden hinterlassen. Als erstes fallen den meisten weggefegte Dachziegel, umgestürzte Bäume und beschädigte Autos ein. Doch was passiert, wenn der starke Wind einen Blumentopf vom Balkon weht, der einem vorbeigehenden Passanten auf den Kopf fällt? Es ist egal, ob man Hausbesitzer oder Mieter ist: Man sollte sich immer absichern. Dabei muss man sich aber auch über eines im Klaren sein: Bei Sturmschäden gibt es keine Rundum-Versicherung, die für alle Schäden aufkommt. Wer zahlt, hängt von der genauen Ursache und vom Einzelfall ab.

Wer für alle Eventualitäten abgesichert sein möchte, sollte sich mit folgenden Versicherungen näher beschäftigen:

  • Wohngebäudeversicherung: sichert alles ab, was das Wohngebäude betrifft
  • Hausratversicherung: sichert alle Schäden an Gegenständen innerhalb der Wohnung oder des Hauses ab
  • Privathaftpflichtversicherung: sichert alle Personenschäden, die Dritte betreffen (Fußgänger, Autofahrer, die von Ziegeln, Blumentöpfen o.ä. getroffen wurden)
  • Vollkasko-/Teilkaskoversicherung: für alle Schäden an Autos, decken unterschiedlich hohen Schaden ab

Wohngebäudeversicherung: Schaden am Gebäude

Schäden, die am Haus entstanden sind, gehen oft sehr ins Geld. Besonders gefährdet sind Wohngebäude auf Anhöhen, in Hanglagen oder auf freier Fläche. Diese bieten einem Sturm große Angriffsfläche und können sogar gänzlich einstürzen, wenn tragende Elemente zerstört werden. Am Haus hat das Dach das größte Risiko beschädigt zu werden. Im schlimmsten Fall wird es komplett abgedeckt, doch auch schon einzelne, heruntergerissene Ziegel können Fußgänger verletzen oder Autos demolieren.

Für Schäden, die am Haus entstehen, sind Wohngebäudeversicherer zuständig. Sie kommen auch dann auf, wenn die Schäden am Haus durch umgestürzte Bäume oder heruntergefallene Äste hervorgerufen wurden. Die Gebäudeversicherung, die jeder Hausbesitzer dringend abschließen sollte, greift bei Sturmschäden allerdings erst, wenn mindestens Windstärke acht nachgewiesen werden kann. Ansonsten werden die Schäden nicht anerkannt und der Hausherr bleibt auf ihnen sitzen.

Wer eine Wohngebäudeversicherung abschließt, sollte darauf achten, dass er einen Vertrag zu aktuellen Konditionen unterschreibt. Denn mittlerweile verzichten viele Anbieter beispielsweise darauf, zu überprüfen, ob die Schäden fahrlässig entstanden sind. Auch die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern sind groß.

Elementarschaden-Police

Etwas komplizierter wird es, wenn Keller oder Garten durch starke Regenfälle überflutet wurden. Denn Schäden wie diese fallen versicherungstechnisch unter die Kategorie Elementarschaden. Hier haftet die Gebäudeversicherung also nur, wenn sie eine zusätzliche Elementarschaden-Police beinhaltet. Bei dieser sollte der Hausbesitzer darauf achten, dass alle Gebäudeteile, also auch Garage, Terrassendach oder Photovoltaikanlage mitversichert sind.

Bauleistungsversicherung: Schaden am Rohbau

Häuser, die sich noch im Auf- oder Umbau befinden, sind bei Stürmen einem hohen Risiko ausgesetzt. Dabei geht es nicht nur um den Rohbau selbst, sondern auch um Baugerüste, die durch starke Winde leicht umgerissen werden und hohe Kosten verursachen können. In diesem Fall kann sich der Bauherr durch eine Bauleistungsversicherung absichern. Diese übernimmt die Kosten für zerstörte Bauteile und -stoffe und eventuell notwendige Handwerkerleistungen, um den Zustand vor dem Sturm wiederherzustellen.

Hausratversicherung: Schäden an der Einrichtung

Durch die Wohngebäudeversicherung werden lediglich Schäden am Wohngebäude selbst versichert, nicht aber der Hausrat. Das bedeutet, alle Beschädigungen an der Wohnungseinrichtung müssen durch eine Hausratversicherung gesondert abgedeckt werden. Diese übernimmt Schäden, die ein Sturm an der Einrichtung oder an Elektrogeräten anrichten konnte, zum Beispiel weil das Dach durch den Wind abgedeckt wurde.

Einen kleinen Sonderfall stellt Blitzschlag dar: Schäden, die durch Blitzschlag verursacht wurden, werden von der Hausratversicherung übernommen. Allerdings nur die, die direkt durch den Einschlag, zum Beispiel an Fernsehantenne oder Gartenmöbeln entstanden sind. Werden dagegen Elektrogeräte durch die Überspannung aufgrund des Einschlags beschädigt, muss der Besitzer dafür meist selbst aufkommen. Eine Zusatzversicherung für Überspannungsschäden ist in diesem Fall lohnenswert.

Hat der Wohnungsbesitzer jedoch fahrlässig gehandelt und beispielsweise vergessen, das Fenster zu schließen, woraufhin der Regen Teppiche und Böden ruinieren konnte, bleibt er auf seinem Schaden sitzen. Außerdem gilt der Schutz nur für Gegenstände, die sich innerhalb des Hauses oder der Wohnung befinden. So wird etwa der vor dem Haus stehende Kinderwagen nicht ersetzt, wenn er durch herunterfallende Dachziegel beschädigt wurde. Gleiches gilt auch für Gartenmöbel und -zubehör.

Privathaftpflichtversicherung: Schäden an Dritten

Ein Sturm ist besonders deshalb bedrohlich, weil er nicht nur materiellen Schaden anrichten, sondern auch unmittelbar Personen betreffen kann. Weniger tragisch ist es, wenn Nachbars Garten durch einen herabstürzenden Baum vom eigenen Grundstück verwüstet wird und dieser deshalb einen Schaden zu verzeichnen hat. Viel schlimmer wird es, wenn vorbeigehende Fußgänger von maroden Ästen, herunterfallenden Dachziegeln oder Blumentöpfen verletzt werden. Unglücklich getroffen, kann dieser sogar ein dauerhaftes Handikap davontragen.

In diesen Fällen springt die Privathaftpflichtversicherung ein. Sie kommt nicht nur für die Schäden im Garten des Nachbarn auf, sondern übernimmt auch jegliche Behandlungskosten, Schmerzensgeld und im schlimmsten Fall lebenslange Rente. Insofern sollte jeder – ob Eigentümer oder Mieter – unbedingt eine Haftpflichtversicherung besitzen. Diese sichert nicht nur gegen Schäden durch Unwetter ab, sondern ist auch im Alltag von größter Wichtigkeit. Kleine und größere Missgeschicke geschehen schnell. Genauso rasch sind auch andere Personen davon betroffen, für deren Schaden man dann aufkommen muss.

Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht: Für Vermieter

Für Vermieter genügt diese allerdings nicht. Wer seine Immobilie vermietet oder auch nur teilvermietet hat, benötigt zusätzlich eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht. Diese kommt unter anderem für durch Dachziegel oder Äste geschädigte Personen auf. Dies gilt für vermietete Objekte genauso wie für Mehrfamilienhäuser, von denen nur Teile vermietet sind oder für ein unbebautes Grundstück, auf dem aber vielleicht Bäume stehen.

Vollkasko- und Teilkaskoversicherung: Schäden an Fahrzeugen

Abgebrochener Ast nach Sturm auf Auto

Wer teilkaskoversichert ist, bekommt die meisten Sturmschäden an Fahrzeugen wie Autos oder Motorrädern ersetzt. Jedoch ist dabei Windstärke acht Voraussetzung. Schäden, die an vollkaskoversicherten Fahrzeugen entstanden sind, werden schon bei geringeren Windgeschwindigkeiten beglichen. Grundsätzlich tragen beide Versicherungen Beschädigungen, die durch herumfliegende Ziegel oder Äste verursacht wurden, sofern sie die gewählte Höhe der Selbstbeteiligung übersteigen. Entstehen die Schäden dagegen durch einen Unfall aufgrund des Sturms, weil der Fahrer beispielsweise gegen einen auf der Straße liegenden Baum prallt, greift ausschließlich die Vollkasko.

Schäden schnell melden

Generell gilt: Versicherungen zahlen Sturmschäden erst dann, wenn mindestens Windstärke acht nachgewiesen wurde. Ist der Sturm vorüber und man ist von Schäden nicht verschont geblieben, sollte man diese so schnell wie möglich seinem Versicherer melden. Um den Überblick zu behalten, ist es sinnvoll eine Liste anzufertigen. Auch Fotos helfen der Versicherungsgesellschaft, die Ausmaße der Schäden einzuschätzen, besonders wenn es sich um Gegenstände handelt, die schnell notdürftig repariert werden mussten. Gänzlich kaputte Gegenstände sollten zur Vorlage bei der Versicherung aufgehoben werden.

Wie entgeht man Sturmschäden?

Wie bei den meisten Dingen ist auch bei Stürmen Vorsicht besser als Nachsicht. Der Wetterdienst kündigt an, wann und wo mit Stürmen zu rechnen ist. Regelmäßige Überprüfung des Eigentums sowie die rechtzeitige Einleitung entsprechender Schritte helfen, Schäden zu entgehen oder diese zumindest einzudämmen.

Regelmäßig überprüft werden sollte Folgendes:

  • Dach: Sitzen alle Ziegel fest, sind Sicherungen und Halterungen von Solaranlagen o.ä. intakt?
  • Baumbestand: Sind Baum oder Äste morsch oder geschädigt? Im Zweifel einen Fachmann hinzuziehen
  • Vor und während eines Sturms:

  • Pflanzen von Balkon und Fensterbänken in die Wohnung räumen, andere ungeschützte Gegenstände wie Gartenmöbel an einem sicheren Ort wie der Garage lagern
  • Auto in der Garage oder an einem geschützten Ort parken
  • Fenster und Türen geschlossen halten, Rolläden ganz nach unten lassen, Markisen aufrollen
  • Beschädigte Fenster sofort behelfsmäßig abkleben, um weitere Schäden durch Regenwasser oder Hagel zu vermeiden

Sollte trotz aller Vorsicht dennoch etwas passieren, ist es praktisch die notwendigen Versicherungs-Telefonnummern bereits zur Hand zu haben. So kann man den Schaden schnell melden und erhält in vielen Fällen auch hilfreiche Tipps für die Beseitigung.

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