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Versicherung im Ehrenamt – das gilt es zu beachten

„Der Tisch ist ganz schön schwer“, denkt sich der Helfer. Beim Frühlingsfest im Seniorenstift St. Adelheid hat er – wieder einmal – seine Unterstützung angeboten. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, auch der Alleinunterhalter wurde rechtzeitig gebucht und sollte eigentlich schon längst eingetroffen sein. Der Soundcheck steht nämlich an. Auch im St. Adelheid legt man schließlich großen Wert auf die passende musikalische Untermalung.

Der Aufbau steckt gerade in seiner heißen Phase, Tische und Stühle werden aufgebaut. Aromatischer Kaffeeduft liegt in der Luft. Nur diese vermaledeiten Tische, die sind nun mal echt schwer. „Wer nimmt denn auch welche aus Massivholz? Bierbänke wären viel praktischer gewesen!“, stöhnt der Helfer. Mittlerweile ist der Alleinunterhalter samt Entourage eingetroffen, die ersten Instrumente werden aus dem Bus ausgeladen und verkabelt. Der Helfer trägt mit einem anderen Ehrenamtler weiterhin die schweren Tische.

Und da ist es passiert! Eine Kabeltrommel wird übersehen, der Helfer verliert die Kontrolle über den Tisch, dieser fällt krachend zu Boden. Natürlich nicht, ohne das Keyboard und eine Gitarre zu treffen. Von den beiden Instrumenten ist nun auch nicht mehr wirklich viel übrig, verdammter Massivholz-Tisch eben! Der zunächst sichtlich geschockte Alleinunterhalter erwacht langsam aus seiner Starre. Seine leicht gebräunte Gesichtsfarbe weicht einer tomatenroten. Ohne Instrumente schließlich kein Auftritt beim Frühlingsfest im St. Adelheid und vor allem die Frage: wer trägt die Kosten für den entstandenen Schaden?

Abklären, ob die Tätigkeit gesetzlich versichert ist

Generell gilt für Ehrenamtliche, dass sie sowohl über ihren Träger – also der Organisation oder dem Verein, für den sie tätig sind – versichert sein können als auch individuell. Wer sich ehrenamtlich betätigt oder plant, dies zukünftig zu tun, sollte sich daher bei seinem Träger oder Verein erkundigen, ob und wie seine Tätigkeit gesetzlich versichert ist. In vielen Bereichen (z.B. Rettungsunternehmen, Wohlfahrtspflege oder Freiwilliges Soziales Jahr) sind Ehrenamtliche gesetzlich unfallversichert. Sollten sie bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit einen Unfall erleiden, sind also anfallende Kosten für Behandlungen und eventuell auftretende Folgekosten gedeckt. Dies ist sehr wichtig, denn genau wie Hauptamtliche gehen Ehrenamtler Risiken ein. Anders als die berufliche ist die ehrenamtliche Tätigkeit jedoch nicht zwingend ausreichend versichert.

Wichtig ist zudem ein ausreichender Haftpflichtschutz. Die Haftpflichtversicherung greift, wenn eine Person am Eigentum oder Vermögen Dritter Schaden verursacht sowie wenn es zu einem Personenschaden kommt. Auch Ehrenamtliche sind vor Missgeschicken nicht gefeit, wie das Beispiel im Seniorenzentrum zeigt. Für den Schaden muss aufgekommen werden. Damit nicht die Helfer zur Kasse gebeten werden müssen, sollten Träger eine eigene Haftpflichtversicherung für ihre ehrenamtlichen Helfer abschließend. Ergänzend dazu ist es für Ehrenamtliche sinnvoll zusätzlich eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen.

Vieles kann, wenig muss

Wer auf ehrenamtliche Helfer zurückgreifen will, sollte seine Freiwilligen ordentlich versichern. Jeder Träger muss eine gesetzliche Unfallversicherung für seine Ehrenamtler abschließen. Diese ist jedoch nicht leistungsfähig – also zuständig – bei Schäden, die ehrenamtliche Arbeiter Dritten während ihrer Tätigkeit zufügen. Die Trägerorganisation muss diese Fragen mit der jeweiligen Haftpflichtversicherung klären. Viele gemeinnützige Vereine und Organisationen haben daher Gruppenhaftpflichtversicherung für ihre Vereinsmitglieder abgeschlossen. Die Gruppenhaftpflicht ersetzt Sachschäden, die Ehrenamtliche im Rahmen der Vereins- beziehungsweise Organisationstätigkeit Dritten zufügen. Sie bietet einen vergleichbaren Schutz wie die private Haftpflichtversicherung. Da der Seniorenstift St. Adelheid vorbildlich für seine Ehrenamtler vorgesorgt und eine Gruppenhaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, leistet diese für die kaputten Instrumente.

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Jede Trägerorganisation sollte zusätzlich eine Betriebs- oder Vereinshaftpflichtversicherung abschließen. Diese schützt in der Regel alle haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, aber auch die Organisation selbst. Denn jeder Geschädigte kann sich nicht nur an den Verursacher, sondern auch an den dahinterstehenden Verein, Verband oder Gruppe wenden. Die Vereine und Träger sollten darauf achten, ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter von der Haftung für Schäden durch Fahrlässigkeit freizustellen. Außerdem können Träger über eine Berufsunfähigkeitsversicherung für ihre Ehrenamtler nachdenken. Sie bildet eine sinnvolle Ergänzung zur Gruppenunfallversicherung. Im Regelfall wird die vereinbarte Rente ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit geleistet – unabhängig von der Ursache der Einschränkung.

Die private Haftpflichtversicherung zahlt sich aus

Grundsätzlich sollte eine private Haftpflichtversicherung nicht nur für Ehrenamtliche ein Muss sein. Diese gibt es teilweise bereits ab knapp über 30 Euro im Jahr und ist im Härtefall buchstäblich das Geld wert, ein Haftpflichtversicherungsrechner bietet hier eine Hilfestellung. Schäden, welcher Art auch immer, sind in einer ehrenamtlichen Tätigkeit – genau wie im Alltag – schnell entstanden. Beim Rasenmähen des Sportplatzes einen Ball übersehen, ein verschüttetes Glas über der Musikanlage oder wie in unserem Beispiel – ein fallengelassener Tisch: Entstandene Schäden können richtig teuer werden. Im Ernstfall ist also die Kombination aus gesetzlicher und privater Absicherung die empfehlenswerteste. Denn wer letztlich die Kosten decken muss, ist womöglich für die meisten Menschen zweitrangig. Wichtig ist nur, dass man selbst nicht auf ihnen sitzen bleibt.

… die guten alten Sonderfälle

So sinnvoll eine Haftpflichtversicherung für jeden Menschen ist, im Ehrenamt gibt es dennoch einige Aspekte, die zusätzlich beachtet werden sollten, um vollen Schutz genießen zu können.

Vorstände aufgepasst!

Wer in einer verantwortlichen ehrenamtlichen Tätigkeit ist, muss vorsichtig sein: Nach Urteil des Bundesfinanzhofs stehen sogenannte Ehrenamtliche mit Verantwortung, beispielsweise Vorsitzende von Sportvereinen, voll in der Haftung. Die private Haftpflicht greift hier nicht. Um diese Ehrenamtler zu schützen, muss der Träger zusätzlich eine Betriebs- und Vereinshaftpflichtversicherung abschließen. Ansonsten sind die verantwortlichen Mitglieder nicht umfassend geschützt und können unter Umständen ihre wichtige Vereinsfunktion nicht in vollem Umfang erfüllen, da sie Angst vor Schadensersatzansprüchen haben müssen.

Ab und an geht es auch unbürokratisch

Besonderer Schutz wird sogenannten rechtlich unselbstständigen Vereinigungen zum Wohle des Gemeinwesens gewährt, zu denen freie Initiativen und nicht eingetragene Vereine gehören. Ehrenamtliche, die sich in den kleinen, rechtlich unselbstständigen Initiativen oder Projekten engagieren, genießen häufig keinen Versicherungsschutz für ihre Tätigkeit. Diese Freiwilligen können daher auf die Haftpflichtversicherung der Bundesländer zurückgreifen. Dennoch sollte auch in diesem Fall eine ergänzende private Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden, um einen möglichst vollständigen Schutz zu gewährleisten.

Nur wer abgesichert ist, kann helfen

Falls es noch nicht klar genug wurde: Wer sich im Ehrenamt engagiert, der leistet einen unfassbar wichtigen positiven Beitrag in unserer Gesellschaft – unabhängig vom Tätigkeitsfeld. Mehr als 31 Millionen Menschen sind hierzulande ehrenamtlich tätig. All diesen Menschen gebührt größter Respekt, denn sie machen durch ihre unentgeltliche Hilfe vieles in den unterschiedlichsten Bereichen überhaupt erst möglich. Doch so selbstlos die Ehrenamtler auch agieren: Um richtig abgesichert zu sein, müssen sie in erster Linie an sich denken. Denn auch im Ehrenamt gilt: Wer Schaden verursacht, muss finanziell dafür haften – in unbegrenzter Höhe.

Ehrenamt-Versicherung: Das Wichtigste kompakt

Beim Träger kann erfragt werden, ob das ausgeübte Ehrenamt unfall- und haftpflichtversichert ist. Eine private Haftpflichtversicherung im Ehrenamt ist ein Muss, eine private Unfallversicherung ein Kann und empfehlenswert. Die Trägerorganisationen müssen eine gesetzliche Unfallversicherung für ihre Ehrenamtlichen abschließen und sollten eine Betriebs- oder Vereinshaftpflicht abschließen. Sie können zudem eine Gruppenunfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung für ihre Ehrenamtler abschließen. Für ehrenamtliche Arbeiter, die weder gesetzlich noch privat über den Träger versichert sind, gibt es die Unfallversicherung der Bundesländer.

Lange Rede – kurzer Sinn: Ehrenamtliche sollten sich nicht durch die Frage, ob sie richtig versichert sind, von ihrer Tätigkeit abschrecken lassen. Vielfach sind sie über den Träger oder Gesetzgeber versichert, eine private Haftpflicht- und Unfallversicherung schadet jedoch nie. Denn wer auch in seiner Freizeit für andere da ist, für den sollte im Ernstfall auch eine Versicherung da sein.

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