Schlüssel verloren – was jetzt?

Erschöpft bog ich um die Ecke. Nur noch ein paar Schritte, dann bin ich zu Hause. Meine Einkaufstaschen jonglierend suchte ich in meiner Umhängetasche nach dem Schlüssel für meine Mietwohnung. Dort wollte ich es mir gleich mit einem kühlen Getränk auf dem großen Balkon gemütlich machen. An der Haustür angekommen, hatte ich meinen Schlüssel noch immer nicht gefunden. Kein Wunder, schließlich hatte ich ja auch die Hände voll. Nachdem ich die Einkauftüten abgestellt und meine Umhängetasche komplett durchwühlt hatte, stellte ich erschrocken fest, dass ich meinen Schlüssel verloren hatte. Entmutigt setzte ich vor die Haustür und rief meine Mutter an, damit sie den Ersatzschlüssel vorbeibringt.

Zuerst stellten wir die gesamte Wohnung auf den Kopf. Irgendwo musste der Schlüssel schließlich sein. Nachdem wir fertig waren, wusste ich zumindest, dass der Schlüssel nicht in der Wohnung war. Also lief ich den gesamten Weg, den ich an diesem Tag zurück gelegt hatte, noch einmal ab. Doch ich fand den Schlüssel nicht. Als ich das realisierte, wurde mir plötzlich ganz anders. Im Geiste rechnete ich schon durch, wie viel mich der verlorene Schlüssel kosten wird. Dann legte mir meine Mutter die Hand auf die Schulter und erinnerte mich an meine private Haftpflichtversicherung, die eine Schlüsselversicherung enthält. Damit ist nicht nur der Verlust beruflicher, sondern auch fremder, privater Schlüssel abgesichert. Mir viel ein Stein vom Herzen. Doch wie funktioniert eine Schlüsselversicherung eigentlich?

Schlüsselverlust mit der privaten Haftpflicht versichern

Die Schlüsselversicherung ist ein Zusatzbaustein, der über die private Haftpflichtversicherung abgesichert werden kann. Je nach Tarif ist nicht nur der Verlust fremder, privater Schlüssel abgesichert. Auch Dienstschlüssel, die dem Mitarbeiter vom Arbeitgeber überlassen werden, können durch die Haftpflicht versichert werden.

Als Bewohner einer Mietwohnung ist vor allem die Absicherung fremder, privater Schlüssel sinnvoll. Denn damit versichert man die Schlüssel, die einem vom Vermieter überlassen wurden. Die Bezeichnung „fremde, private Schlüssel“ bezieht sich darauf, dass der Vermieter nach wie vor Eigentümer der Schlüssel ist. Doch darf der Mieter den Schlüssel für die Dauer des Mietverhältnisses privat nutzen.

Steht fest, dass der Mieter den Wohnungsschlüssel verloren hat, sollte dieser neben dem Vermieter auch die eigene Haftpflichtversicherung über den Schlüsselverlust informieren. Handelt es sich dabei um einen Schlüssel, der lediglich ein einziges Schloss öffnet, sind die Auswirkungen des Schlüsselverlusts überschaubar. Ausgetauscht werden muss lediglich das einzelne Wohnungsschloss. Hat der Mieter darüber hinaus den Gebäudeschlüssel verloren, der die Eingangstür des Mehrfamilienhauses öffnet, muss zudem auch dieses Schloss ausgetauscht werden. Zudem erhalten alle Bewohner des Hauses einen neuen Schlüssel für die Haustüre.

Größerer Aufwand ist zu erwarten, wenn das Wohngebäude mit einer Schließanlage ausgestattet ist. Sollte dies der Fall sein, muss die gesamte Schließanlage ausgetauscht werden. Gerade in einem solchen Fall sollte bei Abschluss der Haftpflicht auf eine ausreichend hohe Versicherungssumme geachtet werden. Denn der Austausch einer kompletten Schließanlage ist in der Regel nicht gerade günstig.

Je nach Tarif übernimmt die Schlüsselversicherung jedoch nicht nur die Kosten für den Schlosswechsel. Einige Versicherer tragen darüber hinaus auch die Kosten für ein Notschloss oder eine private Sicherheitsfirma, mit deren Hilfe der Zeitraum bis zum Schlosswechsel überbrückt werden kann. Eine Absicherung vor Einbrüchen also.

Wann haftet der Mieter tatsächlich für den Schlüsselverlust?

Doch haftet der Mieter nicht automatisch, wenn der Schlüssel für die Mietwohnung weg ist. Er ist nur dann haftbar, wenn er Schuld an diesem Schlüsselverlust ist und es nicht ausgeschlossen werden kann, dass der verlorene Schlüssel missbraucht wird, z.B. für einen Einbruch. Fällt der Schlüssel also in ein tiefes Gewässer, ist der Missbrauch des Türöffners in der Regel ausgeschlossen. Der Vermieter könnte das Schloss nicht auf Kosten des Mieters austauschen lassen.

Wird einer Mieterin beispielsweise die Handtasche samt Inhalt auf der Straße gestohlen, kann ihr kein schuldhaftes Verhalten vorgeworfen werden. Dafür müsste die Mieterin in der Regel mindestens fahrlässig gehandelt haben. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn ihr auf der Straße die Tasche geraubt wird.

Auch sollten Mieter sich nicht von einzelnen Formulierungen im Mietvertrag täuschen lassen. Selbst wenn der Mietvertrag eine Klausel besitzt, dass der Mieter auf jeden Fall für verlorene Schlüssel haftet, ist diese nicht gültig. Inwiefern die Leistungen der Schlüsselversicherung bei grober Fahrlässigkeit eingeschränkt werden, hängt vom jeweiligen Haftpflicht-Tarif ab. So kann die Zahlung durch den Versicherer teilweise oder sogar komplett verweigert werden.

Schlüsselversicherung schützt vor hohen Kosten

Gerade als ich meinen Vermieter über den verlorenen Schlüssel informieren wollte, klingelte es an der Wohnungstür. Meine Nachbarin stand vor mir und in ihrer Hand hatte sie meinen Schlüssel. Ich hatte ihn im Briefkasten stecken lassen. Als es meiner Nachbarin auffiel, nahm sie den Schlüssel an sich, um sicherzustellen, dass ich ihn zurückbekomme. Da hatte ich nochmal Glück gehabt. Erneut stellte ich fest, wie wertvoll gute Nachbarn und eine passende Haftpflichtversicherung sind.