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Haftpflicht auch für Demenzkranke ein Muss

Oft beginnt es mit kleinen Vergesslichkeiten. Der Schlüssel wurde in der Wohnung liegen gelassen. Der Name der Nachbarin zwei Straßen weiter will einem nicht mehr einfallen. Selbst bei kleinen Besorgungen verzichtet man nicht auf eine Einkaufsliste. Vor Vergesslichkeit im Alter sind wenige gefeit, doch für einige bleibt es nicht bei einer gewissen Schusseligkeit. In Deutschland sind bereits über 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. In Zukunft wird diese Zahl aufgrund der erhöhten Lebenserwartung sogar noch weiter steigen.

Die Diagnose ist für Betroffene und Angehörige oft ein Schock. An erster Stelle steht bei den Planungen dann die Therapie des Erkrankten. Auch wenn man Demenz bis jetzt noch nicht heilen kann, so kann der Fortschritt dieser tückischen Krankheit doch verlangsamt werden. Neben dem Kampf gegen die Vergesslichkeit, sollte man aber auch andere Aspekte des täglichen Lebens an die veränderte Situation anpassen. Dazu gehört auch, den Schutz der Haftpflichtversicherung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Bleibt bestehender Haftpflichtschutz erhalten?

Die meisten haben bereits eine eigene Haftpflichtversicherung, wenn die Diagnose gestellt wird. Wichtig ist nun, zu überprüfen, wie weit der Haftpflichtschutz reicht und ob auch für die Zukunft der Versicherte vollen Schutz genießt. Laut dem Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft ist der Versicherungsnehmer grundsätzlich nicht verpflichtet die Erkrankung der Versicherung zu melden. Demenz und alle Unterarten der Krankheit wie Alzheimer müssen nicht als Gefahrenerhöhung gemeldet werden. Der Schutz bleibt also erhalten. Dennoch ist es besser, sich mit der Versicherung in Verbindung zu setzen, denn aufgrund der besonderen Situation von Demenzkranken gibt es weitere Punkte die beachtet werden müssen.

Deliktunfähigkeit entscheidend

Ein kritischer Faktor beim Versicherungsschutz ist die Frage der Deliktfähigkeit. Üblicherweise kommt die Versicherung für durch den Versicherer verschuldete Schäden auf. Was aber, wenn der Versicherte für sein Handeln nicht verantwortlich gemacht werden kann? Bei Demenzkranken wechseln sich häufig klare mit verwirrten Momenten ab. Im Fortlauf der Erkrankung nehmen die Zustände, in denen der Patient nicht mehr für sein Handeln verantwortlich gemacht werden kann, zu. Er kann nicht haftbar gemacht werden und dadurch entfällt eigentlich auch der Versicherungsschutz.

Deliktunfähigkeit absichern

Die Schwierigkeit in einem Schadensfall besteht auch darin, festzustellen, ob der Versicherte in dem Moment, da der Schaden verursacht wurde, deliktfähig war oder nicht. Ohne spezielle Zusatzklauseln kann es sein, dass die Versicherung nicht für den Schaden aufkommt, wenn der Verursacher in diesem Moment nicht als schuldfähig gilt. Sicherheit kann man sich durch die Aufnahme von Deliktunfähigkeit in den Versicherungsvertrag schaffen.

Üblicherweise wird diese Klausel gerne für Kleinkinder abgeschlossen. Auch Kinder unter sieben Jahren sind nicht deliktfähig und nicht durch den Haftpflichtschutz abgesichert. Durch die Zusatzklausel werden aber auch diese Schäden von der Versicherung getragen. Viele Tarife haben diesen Zusatz bereits enthalten. Wichtig: Um auch Demenzkranke mit dieser Klausel abzusichern, muss die Formulierung stimmen. Es muss ausdrücklich die Rede von deliktunfähigen Personen die Rede sein und nicht nur von Kindern! Im Zweifel hilft der Versicherer bei der Anpassung weiter. Einige Tarife bieten auch eine entsprechend angepasste „Demenzklausel“ an.

Seniorin und Pflegerin im Garten des Pflegeheims

Haftpflicht bei Demenz hilft in vielen Fällen

Nicht nur bei verursachten Schäden springt die Haftpflicht ein. Insbesondere für Demenzkranke sind weitere Punkte der Haftpflicht hilfreich. So springt die Haftpflichtversicherung auch bei ungerechtfertigten Schadensersatzansprüchen als Rechtsbeistand ein. Dann werden die Ansprüche abgewehrt und die Versicherung trägt die Gerichts- und Anwaltskosten dafür.

Ein wichtiger Punkt sind auch Streitigkeiten in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen. Nicht nur zwischen dem Patienten und dem Pflegepersonal kann es zu Unstimmigkeiten kommen, auch unter den Pflegebedürftigen können Problemen auftreten. Auch hier sind Schäden und ungerechtfertigte Ersatzansprüche abgesichert, sofern die Deliktunfähigkeitsklausel in den Vertrag aufgenommen wurde.

Angehörige unbedingt auch versichern!

Es ist schön, wenn die Angehörigen die Pflege des Demenzkranken selbst übernehmen – solange es die Krankheit zulässt. Wichtig aber ist, dass alle Personen, die sich an der Pflege beteiligen, selbst eine eigene Haftpflichtversicherung haben. Dies gilt auch für Bekannte oder entferntere Verwandte, die vielleicht ab und zu nur die Aufsicht übernehmen.

Ist der Erkrankte im Moment des Schadensfalls nicht deliktfähig, wird zunächst überprüft, ob die anwesende bzw. zuständige Pflegeperson ihre Aufsichtspflicht verletzt hat. Ist dies der Fall, dann muss im schlimmsten Fall der Pflegende die Kosten für den Schadensfall übernehmen. Um dies zu verhindern, ist es notwendig, dass auch Aufsichtspersonen haftpflichtversichert sind, denn auch hier greift der Versicherungsschutz sofern nicht grob fahrlässig gehandelt wurde.

Umfassender Schutz für schwere Zeiten

Ein guter Haftpflichtschutz macht die Diagnose Demenz nicht leichter, aber er kann vor großen Kosten schützen und dem Patienten und seinen Angehörigen vieles erleichtern. Mit der Krankheit geht häufig auch eine gewisse Unberechenbarkeit einher. Menschen die früher sehr rational waren, beginnen unvorsichtig zu werden, können Risiken nicht mehr einschätzen. Damit solche Fälle nicht zum finanziellen Desaster werden, sollten sich der Erkrankte und seine Angehörigen mit einem guten und an die besondere Situation angepassten Haftpflichttarif schützen.

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