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Was tun bei Fahrraddiebstahl? Von Nachtklauseln, Garagen und festen Schlössern

Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, es ist endlich wieder warm. In bester Shopping-Laune schwingen sich Kathrin und Sarah aufs Rad und fahren in die Innenstadt. Sie lachen und quatschen viel, auch als sie die Räder abschließen. Und da passiert es: Mit den Gedanken gerade bei dem süßen Typen, der sie letzte Nacht in einer Bar angesprochen hatte, zieht Kathrin das Fahrradschloss nur durch den Fahrradkorb, nicht aber durch das eigentliche Fahrrad. Zurück von der Shopping-Tour stellen die beiden entsetzt fest, dass Fahrraddiebe unterwegs waren und sich Kathrins teures Fahrrad geschnappt haben. Der rostige, alte Fahrradkorb hängt dagegen noch gut abgesperrt zusammen mit dem Schloss am Zaun. Was nun?

Frühlingszeit, Fahrradzeit – und leider auch Hochzeit der Fahrraddiebe. Einmal nicht richtig aufgepasst und schwupps ist das Fahrrad gestohlen. Wer zahlt in diesem Fall? Fakt ist, dass die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen nicht sonderlich hoch ist: Sie liegt seit Jahren konstant unter zehn Prozent. Wird der Täter nicht gefasst, bleibt man ohne entsprechende Versicherung auf den Kosten sitzen.

Wann zahlt die Hausratversicherung bei Fahrraddiebstahl?

Das Fahrrad zählt wie Bett, Sofa oder Fernseher rein rechtlich zu den Haushaltsgegenständen. Deshalb wird der Diebstahl des Fahrrads grundsätzlich abgedeckt durch die Hausratversicherung. Fahrraddiebstahl muss trotzdem gesondert betrachtet werden, denn bei diesem Tatbestand schränken die Versicherungen den Schutz häufig ein.

Bei „einfachem Diebstahl“ zahlt die Versicherung nicht.

Wer sein Fahrrad immer in der Wohnung oder in einem zur Wohnung gehörigen, abschließbaren Raum abstellt, beispielsweise im hauseigenen Keller oder in der Garage, ist auf der sicheren Seite: Wird das Fahrrad aus einem solchen Raum gestohlen, handelt es sich um Einbruchsdiebstahl, auch schwerer Diebstahl genannt, und die Versicherung zahlt. Anders liegt der Fall, wenn man sein Fahrrad häufig im Freien abstellt. Wenn sich das Fahrrad außerhalb eines geschossenes Raums befindet und gestohlen wird, kann die Versicherung diesen Tatbestand als einfachen Diebstahl bewerten und die Erstattung des Schadens verweigern.

Vorsicht vor der Nachtklausel!

Vor allem in alten Versicherungstarifen findet sich oft eine sogenannte Nacht- oder Nachtzeitklausel. Die Nachtklausel bedeutet, dass in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nur dann Versicherungsschutz besteht, wenn das Fahrrad in Gebrauch ist. Stellt man sein Rad also abends vor der Wohnung eines Freundes mit dem Ziel ab, dort zu übernachten, ist es nicht versichert. Genau das kann zum Problem werden: Die Mehrzahl der Fahrräder wird nachts im Schutz der Dunkelheit gestohlen. Mittlerweile haben die meisten Versicherungsgesellschaften die Nachtklausel abgeschafft. Trotzdem sollte man vor Abschluss einer Fahrraddiebstahlversicherung genau prüfen, ob sich die Klausel im Vertrag findet. Ist das der Fall, empfiehlt es sich, die Versicherung bei einem anderen Anbieter abzuschließen.

Das Fahrrad immer absperren!

Auch wenn das Fahrrad zum Zeitpunkt des Diebstahls nicht abgesperrt oder an einen nicht ortsfesten Gegenstand gekettet war, kann es sein, dass die Versicherung nicht zahlt. Unter ortsfesten Gegenständen versteht man beispielsweise fest im Boden verankerte Laternen und Zäune oder Fahrradständer. Vor allem, wenn man sein Fahrrad auf offener Straße abstellt, sollte man also unbedingt darauf achten, dass es gut und vor allem richtig absperrt ist. Außerdem ist es wichtig, das richtige Schloss zu kaufen, denn manche Versicherungen legen detailliert fest, welche Schlösser verwendet werden dürfen und welche nicht. Generell gilt, dass das Schloss eigenständig sein muss. Das bedeutet, dass es nicht fest mit dem Fahrrad verankert sein darf. Das Schloss muss zudem dem Wert des Fahrrads entsprechen. Als Faustregel kann man sich merken: Teures Fahrrad – entsprechend hochwertiges Schloss. Wenn das Fahrrad also mit einem leicht zu knackenden Schloss abgesperrt ist, greift der Versicherungsschutz unter Umständen nicht. Laut zahlreicher Tests sind die sichersten Schlösser übrigens Bügelschlösser.

Wenn man diese drei Punkte beachtet und die Versicherung sorgfältig auswählt, sollte das Fahrrad ausreichend abgesichert sein. Auch Kathrin wäre in diesem Fall nicht nur ihr alter Fahrradkorb als Andenken an ihr ärgerliches Missgeschick geblieben. Mit der richtigen Versicherung an der Hand könnte sie sich stattdessen mit der zurückerstatteten Summe längst nach einem neuen, schicken Fahrrad umschauen.

Wie schließe ich eine Fahrraddiebstahlversicherung ab?

Es kann sich also durchaus lohnen, über eine zusätzliche Fahrraddiebstahlversicherung nachzudenken. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Wer bereits eine Hausratversicherung abgeschlossen hat, sollte prüfen, ob sie um einen Schutz für das Fahrrad erweitert werden kann. Die meisten Versicherungen bieten diese Zusatzleistung an. Im Normalfall ist die Erweiterung allerdings mit einer Erhöhung des Grundtarifs verbunden. Eine Fahrraddiebstahlversicherung muss aber nicht zwangsläufig mit einer Hausratversicherung verknüpft sein: Es besteht auch die Möglichkeit, sie separat abzuschließen.

Wann der Abschluss einer Fahrraddiebstahlversicherung sinnvoll ist

Eine Fahrraddiebstahlversicherung sollte man erstens abschließen, wenn man sein Rad meistens auf der Straße stehen hat, man es also nicht in einem abgeschlossenen Raum abstellen kann. Da die Versicherungspolicen meistens relativ teuer sind, ist eine spezielle Fahrraddiebstahlversicherung zweitens vor allem Personen zu empfehlen, die ein sehr teures Fahrrad fahren. Bei teuren Rädern werden oft einzelne Komponenten wie Bremsen oder Schaltungen geklaut. Solche Komponenten können neben Diebstahl und Vandalismus zusätzlich versichert werden. Bei Rädern für den Alltagsgebrauch, bei Rädern also, die einen Neuwert von 500 Euro nicht übersteigen, ist der Grundschutz, den eine Hausratversicherung für alle Haushaltsgegenstände bietet, aber meist ausreichend.

Was tun im Schadensfall?

Wurde das Fahrrad trotz ausreichender Sicherung gestohlen, besteht Anzeigepflicht. Anzeigepflicht bedeutet, dass man unverzüglich zur Polizei gehen und den Diebstahl anzeigen muss. Entsprechend gilt bei den meisten Versicherungen: Keine Anzeige, kein Anspruch auf Entschädigung. Erst nach der Anzeige bei der Polizei sollte man also den Fahrraddiebstahl der Versicherung melden.

Fahrraddiebstahl anzeigen

Folgende Daten sollte man unbedingt parat haben:

Eigentümernachweis: Man muss nachweisen können, dass man der Eigentümer des gestohlenen Rades ist. Bei neuen Rädern kann man diesen Nachweis über die Kaufquittung erbringen, bei gebrauchten etwa durch einen Fahrradpass. Den Fahrradpass erhält man, wenn man sein Fahrrad bei der Polizei registrieren lässt.

Rahmennummer: Jedes Fahrrad kann über eine sogenannte Rahmennummer individuell gekennzeichnet werden. Die Rahmennummer ist die verschlüsselte Adresse des Besitzers und besteht aus einer Buchstaben-Zahlen-Kombination. Sie wird meist am Tretlagergehäuse oder am Steuerrohr angebracht und kostet etwa 10 bis 15 Euro.

Beweiskräftiges Foto: Sollten Quittung oder Fahrradpass nicht mehr vorhanden sein, kann auch ein beweiskräftiges Foto als Eigentümernachweis ausreichen. Ein Foto ist dann beweiskräftig, wenn zusätzlich zum Fahrrad Besitzer und Rahmennummer darauf erkennbar sind. Hilfreich sind auch Angaben zu Marke, Farbe und Modell des Fahrrads.

Was bekommt man im Schadensfall?

Gut zu wissen: Fällt der Fahrraddiebstahl unter den Versicherungsschutz, wird üblicherweise der Kaufpreis und nicht der Zeitwert erstattet. Unter Zeitwert versteht man den Wert, den das Fahrrad zum Zeitpunkt des Diebstahls besitzt. Auch wenn das Fahrrad also nach fünf Jahren nicht mehr neuwertig ist, hat das keinen Einfluss auf die Summe, die im Schadensfall von der Versicherung erstattet wird. Allerdings darf das Fahrrad nicht unendlich teuer sein: Bei allen Versicherungen gibt es eine bestimmte Höchstversicherungssumme, die meist etwa zwischen 4.000 und 5.000 Euro liegt.

Sonderfall: Das geliehene Fahrrad wird geklaut oder beschädigt

Eine Fahrraddiebstahlversicherung steht zwischen Haftpflicht- und Hausratversicherung. Die Hausratversicherung greift immer dann, wenn Schäden an der eigenen Person entstanden sind, das heißt, wenn das eigene Fahrrad geklaut wurde. Die Haftpflichtversicherung zahlt dagegen bei Schäden, die eine Person bei Dritten verursacht. Damit ist die Haftpflichtversicherung eine der wichtigsten Versicherungen für Privatpersonen, denn sie schützt die versicherte Person vor Kosten, die bei einem selbst verursachten Schadensfall gegenüber Dritten entstehen können. Diese Kosten können unter Umständen sehr hoch ausfallen. Wenn man also das Fahrrad des besten Freundes ausgeliehen hat und es geklaut oder beschädigt wird, ist die Haftpflichtversicherung zuständig. Auch hier gilt, dass ein Eigentümernachweis erbracht werden muss, will man den entstanden Schaden erstattet bekommen.

Oftmals werden wichtige Versicherungen wie Hausrat oder Haftpflicht auch in Kombination angeboten. Ein solches Kombiprodukt hat den Vorteil, dass alle Schäden auf einmal abgedeckt sind. Außerdem bieten die jeweiligen Anbieter häufig Rabatte, wenn man mehrere Versicherungen zusammen abschließt.

Gilt die Fahrraddiebstahlversicherung eigentlich auch für E-Bikes oder Segways?

Ob auch E-Bikes und Segways über die Hausratversicherung abgedeckt sind, hängt stark vom jeweiligen Tarif ab. Meist sind Pedelecs mitversichert, also E-Bikes, bei denen sich der Motor ausschließlich beim Treten zuschaltet. Oft kann sogar der empfindliche Akku separat versichert werden. In jedem Fall gilt es, den jeweiligen Tarif genau zu prüfen, denn in den meisten Fällen gibt es Einschränkungen. Zum Beispiel kann sich der Versicherungsschutz auf E-Bikes beschränken, die im Motorbetrieb höchstens 25 km/h fahren können. E-Bikes, die mehr als 25 km/h erreichen, wären in diesem Fall nicht versichert. Segways benötigen für den Betrieb im Straßenverkehr seit März 2016 ein grünes Versicherungskennzeichen, das analog zu dem von Mofas ist. Sie sind normalerweise nicht über die Hausratversicherung geschützt.

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