Dokumentation im Schadenfall – Blog-Serie Schadensmeldung (Teil 1)

Personenschaden, Sachschaden, Vermögensschaden: Die Möglichkeiten, Schäden zu verursachen, sind unbegrenzt – auch wenn man es nicht darauf anlegt. Und früher oder später kommen die meisten in die unangenehme Situation, einen Schaden verursacht zu haben. Wer eine Privathaftpflichtversicherung hat, kann beruhigt sein: Wenn nicht alles schief läuft, übernimmt die Versicherung den Schaden. Aber zurücklehnen ist nicht, denn damit die Versicherung tätig werden kann, muss auch der Versicherungsnehmer seinen Teil beitragen.

Wer den Schaden hat…

Filmabend bei Freunden. Zum Blockbuster gibt es Rotwein. Reichlich Explosionen auf dem Bildschirm: Da kann man sich schon mal erschrecken – und schon landet der Rotwein auf dem neuen, weißen Sofa. Irgendwann haben auch die bösen Blicke ein Ende und alle stellen sich die Frage, wie man die Angelegenheit aus der Welt schaffen kann. Die Haftpflichtversicherung soll es regeln.

Fußballspiel, es steht unentschieden. Todesmutig schmeißt sich der Angreifer in den Ball, holt aus und trifft – den Kopf des Torwarts. Der Ball segelt derweil ins Aus. Der Torwart liegt am Boden, hält sich den Kopf: Gehirnerschütterung. Auch das ist ein klarer Fall für die private Haftpflichtversicherung.

Das Studium ist geschafft. Jetzt heißt es Bewerbungen schreiben. Und auf eine gute Bewerbung gehört in den meisten Fällen auch ein noch besseres Foto. Also hochmotiviert zum Fotografen. Vielleicht ein bisschen zu motiviert, denn beim Termin im Fotostudio reißt man dann prompt Stativ samt Spiegelreflexkamera um. „Meine beste Kamera“, ruft der Fotograf und schmeißt sich mit theatralischer Geste zu Boden, „die brauche ich doch morgen noch für ein wichtiges Shooting“. Letztlich muss er das Shooting aber aufgrund der kaputten Kamera absagen. Der arme Fotograf erleidet neben dem Sachschaden auch einen Vermögensschaden. Auch hier muss man die Haftpflichtversicherung bemühen.

Rotwein ist auf Polster verschüttet

Ruhe bewahren, Schaden begrenzen und dokumentieren

Man sieht, oft tritt ein Schadenfall schneller ein, als man gemeinhin denkt. Glücklich kann sich schätzen, wer über eine private Haftpflichtversicherung verfügt. In den geschilderten Fällen ist die Rechtslage ziemlich eindeutig; der Schaden ist jeweils durch ein Versehen oder eine einfache Fahrlässigkeit entstanden. Dann übernimmt die Versicherung den entstandenen Schaden in der Regel in voller Höhe, solange die Deckungssumme ausreicht. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Versicherung schnell (innerhalb einer Woche) und umfassend über den Schaden informiert wird. Die Schadenmeldung sollte unbedingt eine genaue Dokumentation des Sachschadens und des Hergangs beinhalten.

Doch bevor es an die Dokumentation geht, sollte man Schadensbegrenzung betreiben, soweit es möglich und sinnvoll ist. Also kein Video davon machen, wie sich der Rotwein durch die weißen Sitzpolster arbeitet und auf weitere Teile des Sofas zuhält. In solchen Fällen kann es – sollte die Versicherung erfahren, dass der Schaden durch den Versicherungsnehmer hätte begrenzt werden können – zu Einschränkungen der Versicherungsleistungen kommen.

Wie dokumentiert man einen Schaden richtig?

Ist der Schaden erst einmal verursacht, sollte man also einen kühlen Kopf bewahren und – nachdem Schadensbegrenung betrieben worden ist – dokumentieren, was genau beschädigt wurde. Je nach Art, Umfang und Schwere des Schadens kann eine solche Dokumentation natürlich verschieden ausfallen. So sollten auf jeden Fall Fotos oder ein Video des Schadens gemacht werden. Außerdem ist es wichtig, schriftlich festzuhalten, welche Sachgegenstände beschädigt wurden.

Schaden dokumentieren mit Fotos oder Video

Ein Foto ist heutzutage schnell gemacht. Das Smartphone als ständiger Begleiter ist meistens griffbereit in der Hand- oder Hosentasche und schnell gezückt für ein Selfie. Und auch um einen Unfall oder einen Schaden zu dokumentieren, kann es gut verwendet werden, zumal Daten wie Zeitpunkt und Ort der Aufnahme in den Fotodateien automatisch gespeichert werden. Die Zeiten, in denen nicht immer ein Fotoapparat zur Hand war, sind für die meisten vorbei.

Eine gute Fotodokumentation des Sachschadens ist nicht schwer. Es sollten selbstverständlich alle beschädigten Gegenstände fotografiert werden, am besten aus mehreren Blickwinkeln und aus verschiedenen Distanzen. Wenn es Spuren gibt, die den Unfallhergang anzeigen, sollten auch diese dokumentiert werden. Es sollte unbedingt sichergestellt werden, dass die Fotos oder das Video ausreichend belichtet aber nicht überbelichtet sind. Auch die Auflösung des Bildmaterials sollte so hoch sein, dass der Sachbearbeiter der Versicherung auch alle Details auf den Bildern erkennen kann. Übrigens: Digitalbilder sind herkömmlichen Fotos vorzuziehen eben aufgrund der zusätzlichen Daten, die im Digitalbild gespeichert sind. Bevor die Bilder jedoch an die Versicherung geschickt werden, sollten sie sicher auf einer Festplatte gespeichert werden.

Die schriftliche Dokumentation

Die schriftliche Dokumentation eines Sachschadens umfasst hauptsächlich drei Bereiche: Eine Auflistung der beschädigten Gegenstände und ein kurzes Protokoll des Unfallhergangs sollten in den meisten Fällen angefertigt werden. Außerdem sollten die Namen und Adressen etwaiger Zeugen notiert werden, wenn ein größerer Schaden entstanden ist. Natürlich ist nicht in jedem Fall eine solch umfangreiche Dokumentation notwendig. Im oben beschriebenen Fall des verschütteten Rotweins würde eine Auflistung der beschädigten Gegenstände ausreichen. Im eigenen und im Interesse des Geschädigten ist außerdem, dass den Unterlagen Kaufbelege und ähnliche Dokumente beigefügt werden. So kann die Versicherung die Höhe der Kosten ermitteln.

Im Falle der Fußballverletzung sieht die Sache schon anders aus. Da gesundheitliche Folgeschäden nicht immer gleich abzusehen sind, sollte in einem solchen Fall eine genaue Dokumentation erfolgen. Das fängt mit einer ausführlichen Beschreibung des Unfallhergangs an. Außerdem sollten unbedingt Namen und Adressen von Zeugen notiert werden, damit ihre Aussagen zum Unfallhergang gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt abgefragt werden können. Das ist wichtig, falls der Geschädigte im Nachhinein auf Schadenersatz in Form von Schmerzensgeld klagt. Das kann er allerdings nur, wenn ihm ein ärztliches Attest für seinen gesundheitlichen Schaden erteilt worden ist. Übrigens: Man sollte beachten, dass nicht jede Sportart bereits mit der privaten Haftpflicht versichert ist.

Frau und Polizist sitzen am Schreibtisch

Die Polizei einschalten?

Grundsätzlich liegt es im Ermessen der Beteiligten, ob sie die Polizei hinzuziehen oder nicht. Es gibt allerdings Situationen, in denen es unerlässlich ist. Bei Personenschäden sollte die Polizei auf jeden Fall hinzugezogen werden, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass es zu Schadenersatzforderungen in Form von Schmerzensgeld kommt. Die polizeiliche Dokumentation des Unfalls kann in einem möglichen Gerichtsprozess hilfreich sein.

Bei Sachschäden ist es in der Regel nicht nötig, die Polizei einzuschalten – eine ausreichende fotografische und schriftliche Dokumentation des Schadenfalls vorausgesetzt. Sollte allerdings keiner der Anwesenden einen Fotoapparat oder ein Smartphone bei sich haben, der Schaden also nicht dokumentiert werden können, empfiehlt sich auch hier ein Hinzuziehen der Polizei. Dann können die Polizeibeamten die Dokumentation übernehmen.

Auch bei größeren Schadenfällen kann es sinnvoll sein, die Polizei einzuschalten. Im Falle der umgeworfenen Kamera im Fotostudio wird es zwar kein Problem gewesen sein, den Schaden fotografisch zu dokumentieren, denn immerhin dürfte im Fotostudio noch die eine oder andere Kamera herumgelegen haben. Doch dem Fotograf ist ein sehr hoher finanzieller Schaden entstanden. Nicht nur der Sachschaden selbst, sondern zusätzlich noch ein sogenannter Sachfolgeschaden. Das ist ein Vermögensschaden, der im Falle des Fotografen aus dem Verdienstausfall resultiert, den er aufgrund der zerstörten Kamera erleidet. Wenn es also um solche großen Versicherungssummen geht, ist es sinnvoll, die Polizei hinzuzuziehen. Im beschriebenen Fall könnte zum Beispiel in einem Gerichtsprozess die Frage aufkommen, ob der Fotograf aufgrund der kaputten Kamera tatsächlich das Shooting absagen musste, oder ob er nicht einfach eine seiner anderen Kameras hätte nutzen können. Ist die Polizei vor Ort, können auch solche Fragen gleich geklärt werden.

Und wie geht es weiter?

Ist der Schaden fotografisch und schriftlich oder durch die Polizei dokumentiert, ist eine wichtige Aufgabe, die der Versicherungsnehmer im Schadenfall zu erfüllen hat, erledigt. Doch das ist noch nicht alles. Die Dokumente müssen natürlich auch noch zur Versicherung gelangen, und das fristgerecht. Was bei der Schadensmeldung zu beachten ist, können Leser im kommenden Blog erfahren. Außerdem informieren wir über die Obliegenheiten des Versicherungsnehmers. Was ist das eigentlich und was bedeutet das für den Versicherungsfall? Und zu guter Letzt stellen wir uns die Frage, was eigentlich die Versicherung tut, wenn ein Schaden eintritt.